der geschaeftsbereich suchthilfe

Der Geschäftsbereich Suchthilfe/Kinder- und Jugendhilfe umfasst bei den Ordenswerken inzwischen 34 Einrichtungen und erstreckt sich geographisch über acht Bundesländer. Auch Sonderbereiche, wie die Soziale Betriebe der Laufer Mühle gGmbH und der Drogentherapie – Zentrum Berlin e.V. sind organisatorisch dort angesiedelt. Die Suchthilfe, unter der die Fachkliniken der medizinischen Rehabilitation und die soziotherapeutischen Einrichtungen der Eingliederungshilfe als eigene Fachbereiche subsummiert werden, ist dabei überwiegend in den 1990‘er Jahren Teil der Ordenswerke geworden. Die Kinder- und Jugendhilfe ist als eigenständiger Fachbereich aus einem Teilangebot der medizinischen Rehabilitation entstanden und zählt mittlerweile sechs Häuser.

Medizinische Rehabilitation
In der medizinischen Rehabilitation liegt der Fokus dabei auf die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, was in Anbetracht der demographischen Entwicklung und dem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften, neben dem sozialen Gedanken auch gesellschaftliche und wirtschaftlich relevante Aspekte beinhaltet. In vielen Fällen ist die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit dabei ehrlicherweise eine erstmalige Herstellung eben dieser. Wer Mitarbeitenden aus diesem Fachbereich begegnet, wird den Satz „Unsere Klienten werden immer jünger“ mit Sicherheit hören. Dabei hatte schon im Mai 2000 der damalige Fachbereichsleiter der Suchthilfe, Dr. Werner Singer, bei einem Symposium in Miesbach zu berichten: „Ich begegne Menschen, die als Patienten immer jünger werden, die meist schon vor der Pubertät den Anschluss an das Leben verlieren, sich über den Weg zur Sucht zu fangen versuchen und mit Drogen ihr Leben manipulieren.“. Insgesamt jedoch ist die Zahl der Rehabilitationen bei Abhängigkeitserkrankungen, einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung Bund für deren eigene Versicherte folgend, in den vergangenen fünf Jahren sehr konstant. Dabei ist der Trend bei Alkoholabhängigkeit sogar rückläufig, während die Maßnahmen bei Drogenabhängigkeit ansteigen.

Angebotsstruktur der Ordenswerke
Zur Sicherstellung geeigneter Therapien ist die Angebotsstruktur der Ordenswerke diesem Trend folgend ein wichtiger Baustein, da diese im Schwerpunkt auf die Behandlung von Menschen abzielen, die eine Abhängigkeit von illegalen Drogen aufweisen. Die Ausgaben zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankten sind beim größten Rentenversicherungsträger innerhalb der Jahre von 2015 bis 2019 um 18,3% gestiegen. Die Ausgabenbereitschaft zeigt, dass der Rehabilitation von Suchtkranken eine große Bedeutung beigemessen wird. Die Anforderungen und Erwartungen an die Leistungserbringer wachsen dabei jedoch ebenfalls stetig, so dass der wirtschaftliche Druck auf die Leistungserbringer nicht geringer wird. Dennoch ist das Ziel der Ordenswerke auch zukünftig eine bedeutende Rolle in der Rehabilitationslandschaft, zur Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen, einzunehmen. Dafür entwickeln wir neue Konzepte und stehen im ständigen Austausch untereinander und mit den Leistungsträgern, um möglichst vielen Menschen eine erfolgreiche Therapie zu ermöglichen.

Soziotherapeutische Einrichtungen der Eingliederungshilfe
In den soziotherapeutischen Einrichtungen der Eingliederungshilfe ist hinsichtlich der Altersstruktur eher das Gegenteil der medizinischen Rehabilitation zu beobachten. Unsere Bewohner weisen aufgrund ihrer zumeist langen Drogenkarrieren einen veränderten Hilfe- und Unterstützungsbedarf auf, der zu neuen fachlichen, aber auch menschlichen Anforderungen führt. Die Konzepte in der Beschäftigungstherapie müssen überdacht und die baulichen Gegebenheiten vielerorts überprüft und angepasst werden. Der seit vielen Jahren geltende Grundsatz „Ambulant vor stationär“ in der deutschen Gesundheitspolitik findet dabei auch in der Eingliederungshilfe Anwendung. Auch wenn das Bundesteilhabegesetz den Begriff der „stationären Einrichtung“ durch die „besondere Wohnform“ ersetzt hat, ist es dennoch eine unveränderte Herausforderung, sich den altersbedingt voranschreitenden Leiden unserer Bewohnerinnen und Bewohner adäquat zu widmen. Es wird zunehmend schwieriger die Frage, wo die Aufgaben der Eingliederungshilfe enden und jene der sozialen Pflegeversicherung beginnen, zu beantworten. Eine Verknüpfung des neunten und des elften Sozialgesetzbuches ist deshalb eine der herausfordernden Aufgaben der nächsten Jahre. Das Statistische Bundesamt beschreibt die Zahl der Hilfeempfänger in der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen seit 2005 als steigend. Die weitgehende Erhaltung und die gezielte Erweiterung unseres Angebotes, orientiert an den Bedürfnissen der Anspruchsberechtigten, ist deshalb eine zentrale Aufgabe der Ordenswerke als Leistungserbringer. Die Öffnung für durchlässige Ambulantisierungskonzepte, stets mit der Anbindung an die bewährten Strukturen und der Möglichkeit zur Rückkehr in ein stabiles Umfeld, ist dabei das gelebte Gebot der Stunde.

Teilhabe am Arbeits- oder gesellschaftlichen Leben
Unsere Angebote der Suchthilfe sind wichtige Elemente des bundesweiten Therapieapparates. Tag für Tag engagieren sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diejenigen, die mit ihrer Erkrankung umzugehen lernen müssen und helfen dabei, dass sich möglichst viele unserer Bewohner und Bewohnerinnen sowie Rehabilitandinnen und Rehabilitanden vom Rand der Gesellschaft in die Mitte orientieren können, sei es durch Teilhabe am Arbeits- oder am gesellschaftlichen Leben. Die Häuser der Jugendhilfe leisten einen wichtigen Beitrag, um denen eine Chance zu geben, die noch einen langen Weg vor sich haben. Der operative Dreiklang, den es dabei für uns stets in einem möglichst harmonischen Bereich zu halten gilt, ist die Ausrichtung unserer Angebote an den Bedürfnissen der Menschen, ein möglichst attraktives Arbeitsumfeld für unsere Mitarbeiter und die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit.

Jochen Meyer

Geschäftsbereichsleiter
Suchthilfe / Kinder- und Jugendhilfe